Dienstag, 23. November 2010

Gefährlicher Schulweg


Schneller Verkehr auf dem Schulweg - fuer Fussg änger eher wenig Platz
Der Schulweg der gehörlosen Schüler unserer Schule führt von dem Internatsgebäude ca. 500 m auf dem Highway zur Schule. Bis jetzt habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, jedoch ereignete sich letzten Donnerstag ein Unfall. Ein Schüler und eine Schülerin auf dem Heimweg hörten das Hupen eines viel zu schnellen Fahrzeugs nicht und konnten so (wie es sonst in Ghana üblich ist) nicht zur Seite springen und wurden erfasst. Beide mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Es geht Ihnen zwar wieder besser, meine Kollegen erzählten mir allerdings, dass solche Unfälle regelmäßig passieren. Und es passiert nichts. Ich weiß noch nicht was, aber da muss was passieren. Ich musste mir den Aufschrei in Deutschland vorstellen, wenn so ein Unfall passieren w ürde.

Die verletzten Schler im Krankenhaus.

Mittwoch, 17. November 2010

Mid Term Breack und ein Filmprojekt

Ich sitze hier gerade bei Nico (deutscher Freiwilliger von afs) und erhole mich ein bisschen, bevor wir in einer Stunde wieder aufbrechen. Doch alles der Reihe nach:
Die Hälfte des ersten Semsters in meiner Schule ist um, und so konnte ich das verlängerte Wochenende des Mid Term Breacks nutzen um nach Kumasi zu fahren. Kumasi ist die zweitgrößte Stadt Ghanas und gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten Ghanas.
Ich erlaube mir an dieser Stelle einfach auf einen Wikipedia-Beitrag zu verweisen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kumasi
Wir besuchten Volkert, einen belgischen Austauschschüler, der uns von Donnerstag bis Sonntag Unterkunft bot.
Natürlich besuchten wir in Kumasi das Culture Centre, ein weitläufiges Grundstück, auf denen in verschiedenen Werkstätten nach traditioneller Art Kunst hergestellt und natürlich auch verkauft wird.


Theater im Culture Centre

Sehr imposant war ausserdem der Central Market, ein Gebiet, groß wie 10 Fußballfelder, überfüllt mit Lebensmitteln, Kleidung und anderem Krams. Die vielen Farben, der sich ständig ändernde Geruch, die vielen Menschen und das alles unter einem Meer von Wellblech, in der Größenordnung sicherlich eine Erfahrung für sich. Wir sind sicherlich zwei Stunden einfach drauflosgegangen und haben immer wieder Neues entdeckt. Neben den Verkaufständen gab es z.B. Schneidereien und Schuster und viele kleine Essensstände.
Ich hätte danach gern noch eine Hutsammlung gesehen, 4000 Hüte wurden von einem Hotelbesitzer über Jahrzehnte hinweg gesammelt und fein säuberlich aufgereiht, doch jener hat sein Hotel verkauft, und damit verschwand auch die Hutsammlung. Schade.
Am Sonntagmorgen dann sind wir dann mit Volkert zurück nach Obososmase aufgebrochen, wo Volkert bei mir übernachtete und mit mir am nächsten Morgen nach Accra kam, wo er sich mit anderen belgischen Schülern im afs-office traf. Mich hat dort Nico abgeholt, und wir fuhren zu ihm nach Hause. Von Montag bis heute, Mittwoch, filmten und filmen wir zusammen eine Werbung für sein Projekt, B.A.S.I.C.S (Brothers and Sisters in Christ Serving) http://www.basicsinternational.org/ . Das Projekt braucht Sponsoren um weiter wachsen zu können; weitere Projekte und mehr Kindern Essen und Hausaufgabenhilfe zu bieten. Basics liegt in Chorkor, laut der Bevölkerung der ärmste Stadtteil Accras. Das Bild kann ich nur bestätigen, bei den Filmarbeiten im Stadtteil fanden wir primitive Lebensverhältnisse vor, und ich fühlte mich mit der Kamera in der Hand sehr unwohl, bzw. in einer Art pervers.
Die Menschen wollten (verständlicherweise) meist nicht gefilmt werden und rufen zornig bis wütend Bemerkungen zu uns. Auch die Erklärungen unseres ghanaischen Begleiters (alleine hätte ich mich mit der Kamera nicht dorthin getraut), dass es sich nicht um eine touristische Aktion sondern um einen Film zur Entwicklungshilfe des Ortes führen wird stießen auf taube Ohren. Es war wirklich nicht einfach.
Das war eine Erfahrung die ich mir von meinem Freiwilligendienst erwartet habe. Seelisch an Grenzen zu stoßen, und ich bin froh, dass hinter mir zu haben, Angenehm war das sicherlich nicht.

Das Fischerdorf Chorkor; Bild von Nico

Gestern haben wir dann noch Volkert im Krankenhaus besucht, er hat sich den Magen verdorben. Seltsam daran ist, dass wir uns seit Tagen das Essen geteilt haben...

Momentan habe ich gut zu tun und komm kaum (weniger als sonst noch) ins Internet, deswegen müsst ihr, liebe Leser, erstmal mit diesem knappen Beitrag vorlieb nehmen.
Bis zum Nächsten!
Klaas

Montag, 8. November 2010

Fast drei Monate um....


Wie, das waren schon 3 Monate? Ich bin doch gerade erst angekommen!

Das waren so ziemlich meine Gedanken, als ich gestern auf den Kalender geblickt habe und gemerkt habe, dass ich nur noch 9 Monate hier sein werde. Klingt erstmal nach ordentlich Zeit, Pläne und Ziele zu verwirklichen, aber wenn die ersten 3 Monate schon so schnell vorbeigingen...

kurzes Statement also:

Mir geht es weiterhin super, als Lehrer werde ich jetzt neben dem Fach Technical Drawing auch in I.C.T. (Informatik) eingesetzt, sodass ich mit Unterrichten und Vorbereitungen gut zu tun habe.
Mit einer Lehrerin zusammen ist ein Film geplant über die Geschichten, Ziele und Träume der Gehörlosen sowie der Umgang mit hörenden Menschen.
Um beim Skatepark anzufangen brauch ich immernoch die Erlaubnis des Eigentümers, doch da ich mit meinem Handy auch die Telefonnummer seines Neffen verloren habe zieht sich das alles hin.
Mit Joe habe ich vor, eine Art Alltagsweisheitensammlung auf Twi zu erstellen, ins Englische zu übersetzen und als Buch zu verkaufen.
Natürlich habe ich auch weitere Reisepläne, doch damit überrasche ich euch lieber.

In den ganzen drei Monaten ging es mir gesundheitlich prima! Keine Bauchschmerzen, keine Kopfschmerzen, geschweige denn Durchfall oder Verstopfung vom Essen. Find ich top.
überflüssiger Schnick Schnack...

Gestern habe ich mit Andy und Joyce ein Foto in Sonntagskleidung gemacht. Vater Andrew hatte noch in der Kirche zu tun. Damit ihr euch also mal ein Bild machen könnt:

Andy, ich, Host-mum im Sonntagsdress



Joyce am schneidern an ihrer handbetriebenen Naehmaschine


 Mir gehts gut :-)

Montag, 1. November 2010

Post!

Mich erreichte letztens ein Anruf, es sei ein Paket für mich angekommen,und ich möge es doch bitte bald in Accra(!) abholen. Nun denn, schnell kombiniert mit einem Besuch von Harry und Ina (siehe Fahrradtour) und hin. Auf dem Weg in die Post-Zentrale gabelten wir noch Niklas auf, welcher, sonst nix zu tun „mal eben“ mitkam. Im Post-Office nahmen Judith und Niklas auf einer bequemen Couch Platz, für mich fing dann das Gerenne an.
An Alle, die Asterix&Obelix kennen; sagt euch „Passierschein 36“etwas? Genau so fühlte ich mich.
Von dem zu jenem Schalter, und dann doch bitte nochmal ins Lager, um wieder an Schalter x geschickt zu werden, welcher allerdings nicht besetzt ist usw.
In der Zwischenzeit war Niklas wohl sehr langweilig und er vergriff sich an meiner Kamera, tse! Selber Schuld!

Wunderschön...
Im Endeffekt habe ich das Paket dann doch bekommen, musste es noch öffnen, konnte es nicht wieder vernünftig verpacken (Papa, du bist und bleibst ein Pack-Meister) und es konnte endlich weitergehen.
Wieder zuhause (in Obosomase) konnte ich dann endlich richtig auspacken. Bücher, Spiele, Lichter, Batterien, Bilder, ein feines Paket von zuhause (in Glissen).
Danke Mama und Papa!

Tausend tolle Sachen




Fahrradtour


 In Aburi, meinem Nachbardorf befindet sich ein Fahrradverleih, der auch begleitete Touren anbietet. An einem Wochenende dann schlossen sich Judith und ich an eine 2-Tagestour an.
So trafen wir am Samstagmorgen dort ein, Judith bekam ein Fahrrad ausgeliehen und wir warteten auf unsere Reisepartner. Diese trafen dann auch ein wenig später ein; Harry, Sicherheitsberater der deutschen Botschaft und Ina, Polizistin aus Deutschland, welche für ein paar Wochen Harry besuchte. Nach einigem Hin und Her wurden dann die besten (aber nicht guten!) Fahrräder ausgesucht und es konnte losgehen.
So fuhren wir aus Aburi raus, und auf Feldwegen immer weiter ins Hinterland.
Unser Weg bestand größtenteils aus „Dirtroads“, festgefahrene Straßen aus Dreck, doch bogen wir recht bald auf „Single Trails“ ab. Ein kleiner Pfad mitten durch den regenwaldähnlichen Wald. Diese Single Trails waren nicht ganz einfach zu fahren, oft weniger als einen (halben) Meter breit und auf und ab und allerlei Hindernisse usw. Hier hatte ich das erste Mal das Gefühl, ein Mountainbike auch wirklich gebrauchen zu können, und war außerdem ich froh einen Helm auf zu haben, es war nicht immer ganz ungefährlich. Fotos von den Strecken habe ich leider nicht gemacht, icch war zu beschäftigt.
Da es die Tage davor sehr viel geregnet hatte, haben sich kleine Pfützen in hüfthohe Bäche verwandelt. Bilharziose-, Schistosomiasis-, Schneckenfieber, Würmer- und natürlich Krokodil- Gefahr hin oder her, da mussten wa durch. Hat Spaß gemacht und eine willkommene Erfrischung war es auch.;P
Apropos Erfrischung. Es war sehr warm an dem Tag, und so tranken wir das Wasser einfach nur so weg. Ich habe den ganzen Tag über 6 oder 7 Liter Wasser getrunken, musste allerdings nicht einmal pinkeln, nach Adam Riese habe ich also alles wieder ausgeschwitzt. Verrückt.
Judith ist nach einer kleinen Unachtsamkeit dann gestürzt und hat sich Ellenbogen, Hand und Bein abgeschürft. Doch sie war und ist hart im Nehmen: Aufgestanden, Dreck abgeschüttelt und etwas lila Desinfektionszeugs auf die Wunden und weiter geht’s: Volunteers kennen keinen Schmerz. Respekt.
Nach dem Single-Trail folgten wieder kilometerlange, hügelige DirtRoads. Auf und ab, hoch und runter, die restlichen 40 von 70 Kilometer des ersten Tages.
Ich war noch nie eine so lange Strecke an einem Stück gefahren, und so gaben lächerliche 1 oder 2 km vor den Botifalls, dem Ziel des ersten Tages meine Kräfte auf und ich stieg zu Judith ins Auto, völlig entkräftet, ich konnte kaum noch gehen. Ich hatte seit dem Frühstück (3 Scheiben Brot; nur Brot) nichts mehr gefuttert, ich muss sämtliche Fettreserven verbrannt haben ;-)
Zum Abendessen gab es dann Reis mit Chicken und scharfer Soße mit feinem Weißwein aus Bechern, und mein Energiehaushalt wurde wieder etwas aufgefüllt. Mit Harry und Ina verstanden wir uns übrigens sehr gut, schweißt eine solche Tour sicherlich sehr schnell zusammen.
Wir haben uns dann ins Zelt gepackt und ich schlief wie ein Baby zu dem entfernten Rauschen des Wasserfalls ein.
Am nächsten Morgen stiegen wir dann die Treppen zum Wasserfall hinunter, und waren im Paradies. Der Ort war einfach nur der Hammer. Es wurde geschwommen, gebadet und auf der Bank im Wasser relaxt, einfach wunderbar.
Doch bald schon ging es weiter, ich hatte zwar Zweifel den Tag durchzustehen, doch munter auf auf; wird schon. Wir durchfuhren wieder weite, schöne Landschaft und hatten mit der steinigsten Strecke mit ordentlich Anstieg und kurz darauf mit noch stärkerem Gefälle zu kämpfen. Geregnet hat es dann auch, jedoch ganz passend, mir war nämlich ein Reifen geplatzt und wir mussten eh pausieren um ihn zu flicken. Sobald der Reifen repariert war hörte der Regen auf,perfektes Timing, und wir konnten unsere (ab dem Punkt) schlammige Fahrt fortführen. Tatsächlich war der zweite Tag weniger anstrengend. Es ging zwar immer noch 50km bergauf und bergab, aber das näher rückende Ziel gab Anreiz genug um zusätzlliche Kräfte zu mobilisieren, sodass wir (diesmal nicht im Dunkeln) am Nachmittag in Akosombo, dem Staudammdorf des Volta-Sees eintrafen. Dort ging es, nachdem wir die Staumauer, die den größten Stausee der Welt aufstaut, gesehen haben, in eine Bar direkt am Wasser, wo wieder ausgiebig geplanscht, und das wohlverdiente Bierchen getrunken wurde.
Am Abend hat uns ein Taxi samt Fahrräder (4 an die Heckklappe gebunden, und eins auf
dem Dach befestigt) wieder nach Hause gebracht.
Insgesamt war der Trip eine tolle Erfahrung: Bachdurchquerungen, über Stock- und Steinwege, stundenlang strampeln unter der ungnädigen afrikanischen Sonne, die körperliche Grenze ausgelotet (überschritten?), Ghanas Natur quasi hautnah erlebt und generell mal eine neue Sportart kennengelernt.


erster Fluss

zweiter Fluss


dritter Fluss


Das ist Harry


Willkommen im Dschungel

Durst!!!

Das ist Ina

Judith hat aua

ghanaische Strasse

vollkommen erschoepft nach 70 km

Candlelightdiner

Gute Nacht...

Treppe runter ...

ins Paradies

Bleib am Leben! - das ultimative Gesetzt

waschen und planschen...

und nochmal entspannen, bevor ...

es mit schoener Aussicht...

ueber Stock und Stein...

mit provisorisch geflickten Reifen nach einem Platten...

durch Schlamm...

am Staudamm in Akosombo vorbei...

wir alle am Ziel angekommen sind

Joe und ich, man beachte den Dreckunterschied an meinem Fuss!

Eine schoene Bar direkt am Volta-Fluss

und ein wohlverdientes Bier zum Abschluss..

Ich werde sicherlich die nächste Zeit auch in der Woche die ein oder andere 3-Stunden-Tour durchs Hinterland fahren, hab ich ja ein Fahrrad und mit Joe jemanden, der mir die Strecken zeigen kann. Auf eigene Faust wird das meistens nichts, die meisten Wege führen nur zu irgendeiner Farm oder ein entlegenes Haus, schon ausprobiert ;-)
Harry und Ina haben wir darauf an einem Tag in Accra besucht. Kontrastprogramm, Swimmingpool und Tintenfisch mit Nudeln statt Schlammwege und Wasser. War auch sehr schön :-)

Danke an dieser Stelle an Kalle, deine Kameraempfehlung hilft mir ungemein!
Das Ding schiesst echt tolle Bilder, einfach so! Kamera an und knips, stark.